Es war einmal vor einiger Zeit auf einem Hof vor dieser Stadt. Da lebte ein Bauer, dessen Frau war bei der Geburt seiner Tochter gestorben. So hatte er niemanden, der auf die Kleine aufpassen konnte. Nur sein treuer Jagdhund – er war diesem hier nicht unähnlich – konnte entbehrt werden, wenn der Mann und sein Knecht zur Erntezeit aufs Feld mussten.
So war es auch an einem heißen Tag im August, da ließ der Bauer ein Fenster offen stehen und schärfte seinem Hund ein, nur ja besonders Acht zu geben. Der legte sich treu vor den Kinderwagen und hielt Wache.
Als nun aber abends der Bauer nach Hause kam, da stand das Fenster aus den Angeln geborsten weit offen. Voller Angst um sein Kind stürmte der Mann ins Haus – dort   begrüßte ihn sein Hund, doch was war das? Seine Leffzen waren eingerissen und Blut tropfte heraus. Der Kinderwagen war umgekippt.
„Du blutrünstige Bestie“, schrieb der Bauer erbost und droch mit bloßer Faust auf seinen treuen Gefährten. Der duckte sich unter den Hieben, doch wehrte er sich nicht. Mit gebrochenem Schädel brach er zusammen, den Blick auf seinen Herrn gerichtet.
Da ertönte ein Wimmern, das bald in ein Schreien mündete. Der Bauer sah nun, wie sich die Tischdecke von einem umgestürzten Tisch bewegte – und darunter fand er sein Kind unversehrt. Schnell hob er es auf. Tatsächlich schien der Kleinen nichts zu fehlen. Überglücklich schluchzte der Vater, während er sein Baby in den Armen wiegte.
Dabei sah er unter dem umgestürzten Tisch einen riesigen Wolf. Seine Kehle durchgebissen.
„Was habe ich getan“, rief der Bauer, als er erkannte, dass er seinen treuen Jagdhund zu Unrecht verdächtigt hatte. „Er hat mein Kind gerettet und ich habe ihn zum Dank erschlagen!“ Er legte die Kleine in die Wiege und sank voller Gram zu Boden. Dort blieb er lange, lange. Und hätte er nicht gewusst, dass sein Kind ihn brauchte, er hätte sich am liebsten selbst mit dem Tod bestraft.

0home7983

 

Treue