Intuitives Malen bedeutet, sich einzulassen auf den Moment, das Gefühl und die Sehnsucht. Es bedeutet, dem Prozess seinen Lauf zu lassen und zu vertrauen. Ergebnisse sind nur willkürliche Momentaufnahmen, in denen wir gerade etwas Endgültiges erblicken wollen. Aber wie kann im perpetuum mobile namens Leben ein Zustand jemals endgültig sein?

Intuitives Malen bedeutet in einen Dialog mit uns selbst zu treten und uns tiefer zu erforschen. Uns einzulassen auf das, was wir noch nicht über uns wissen. Es zuzulassen, auch wenn es schmerzhaft ist oder uns nicht gefällt. Unsere Lebensumstände können wir ja auch nicht reklamieren und umtauschen. Wir können sie aber bewusst annehmen und ihnen so auf dem Weg helfen. Der Akt der Annahme ist bereits die Änderung.

Intuitives Malen bedeutet eine Reise im Abenteuerland inneres Erleben. Wenn wir es vorher bestimmen könnten, wäre es ja kein Abenteuer. Es geht also weder um künstlerische Perfektion, Technik noch darum, bestimmte Bilder zu produzieren.

 

Herz1Home

Das Wichtigste ist, den eigenen inneren Impulsen zu folgen. Möglichst keine Technik anwenden und nichts darstellen wollen. Sondern dem natürlichen Ausdruck Raum zu geben, ohne Zensur, kein Schön, kein Hässlich. Nur Farbe, Handlung, Lust, Bedürfnis, dem Bauchgefühl eine Sprache zu verleihen. Dem, was sich nicht im Bewusstsein befindet, mental vielleicht nahe der Oberfläche, aber eben doch nicht bewusst. Dem Gefühl, das vielleicht nicht ganz gefühlt wird. Der Lust an den Farben, dem Bedürfnis, mit ihnen zu tun.

Ob sich Formen zeigen oder auch nicht, ob wir mit dem Ergebnis zufrieden sind oder auch nicht, ob wir weinen oder lachen müssen. Das alles ist dabei und darf sein, ohne dass es da sein muss. Kein falsch, kein richtig.

Vielleicht zeigen sich Wut oder Freude. Was auch immer an emotionaler Ladung hinaus will, ist willkommen (so lange es nicht zerstörerisch wird, mit Ausnahme gegenüber dem eigenen Bild.

Dabei bleiben wir immer mit einem Teil unseres Bewusstseins im Bezeugen des Prozesses. So genau wie möglich registrieren wir Körperempfindungen, Emotionen, Gedanken. Wir nehmen sie wahr, greifen aber nicht ein. Wenn Bedarf besteht, holen wir uns Unterstützung, jemand, dem wir sagen können, wie es uns gerade geht. Notfalls auch therapeutische Hilfe.

0home6667

Niemand hat gesagt, dass uns das Bild gefallen muss. Erlaubt ist, was dem Moment entspringt. Spielerisch herangehen, möglichst ohne Technik. Vielleicht auch einmal ausprobieren, wie sich eine Bewegung anfühlt oder wie es ist, Farbe mit viel Wasser verdünnt aufs Bild zu ‘planschen’, viel zu viel Farbe zu verwenden und damit eine Landschaft zu kreieren.

0home6670

Intuitives Malen ist Lust an Farbe, Hingabe an den Prozess und Ausdruck des Bedürfnisses zu malen.

 

0home6663
0home6663_II

Intuitives Malen beinhaltet, alle Regeln auf den Kopf zu stellen, das Bild aus allen Richtungen zu beschauen und wirken zu lassen und immer neu auszuprobieren, Gewusstes zu vergessen bis sich neue Wege, die noch nicht da waren, einstellen und Ausdruck verschaffen. Was noch möchtest du ausprobieren? Wir lassen uns fließen und folgen, immer bewusste Zeugen unseres Tuns.

Intuitives Malen kann auch sein: Altes übermalen, andere Stoffe (Servietten, Sand, Blätter ... Nagellack) zu integrieren, überzustreuen, mit Farbe fest zu kleben. Dinge als Schablonen verwenden. Farbe wieder abwaschen oder abkratzen. Nicht weil wir das nicht mögen, was wir sehen. Sondern weil wir das empfundene Bedürfnis danach haben oder das Bild noch nicht fertig ist. Nach unserem Gefühl. Oder weil wir erleben wollen, wie wir uns dabei fühlen. Dann allerdings bitte auch und zuerst achtsam sein mit dem Gefühl zu dem, was wir zu zerstören beabsichtigen. Sollten sich dagegen Widerstände regen, sollte unser Herz sich verletzt fühlen oder andere Empfindungen aus zum Beispiel der Kindheit auftauchen, dann ist es unsere erste Aufgabe, uns darum zu kümmern. Der Impuls zu zerstören darf da sein. Er darf aber nicht verletzen.

 

0home6120

Intuitives Malen