Die Holzschlange

Mit offenem Mund schaut mir die Holzschlange beim Schreiben zu. Ein  unsichtbares Band lässt meinen Stift zu einem Teil von ihr werden und die Tinte zu ihrer Medizin. Wort für Wort löscht sie die gähnende Leere  des grauen Papiers aus, macht es bunter und bunter. “Gut gemacht”, raunt mir die Schlange zu. Sie weiß, dass jedes Wort drei tief sitzende  Tränen in mir hoch spült, die schon lange geweint werden wollten.  Liebevoll ringelt und räkelt sie sich vor mir, ermutigt mich mit ihrem  Tanz, weiter zu schreiben. So lange, bis ich auf dem Grund des Ozeans  meiner Tränen angelangt bin, der meine Seele vergiftet hat, und ich  meine Quelle wiederfinde.

Von der Seele schreiben

Tatsächlich kann Schreiben wie eine Medizin wirken. Entdeckt habe ich das für mich  als Jugendliche, als ich mir buchstäblich allen Kummer von der Seele  geschrieben habe. Auf diese Weise sind Nacht für Nacht Gedichte  entstanden - und neben der Wirkung auf mich entstand auch so manches  Werk, das Eingang in die Publikationen des Wettbewerbs “Lyrik zwischen 12 und 20” des Landestheaters Schleswig-Holstein fand.

Später entdeckte ich Methoden des Schreibens als Dialog mit der Seele, in  denen tief sitzende Probleme gelöst werden können und manch unerkannter  Zusammenhang zum Vorschein kommen kann. Wichtigste Zutat dabei ist allerdings das Lauschen nach innen, lauschen und fühlen.

Traum-Tagebuch

Auch das Aufschreiben und die persönliche Deutung von Träumen ist ein Weg innerer Kommunikation, bei dem sich von der Zensur des Wachbewusstseins ungefiltert, dafür verschlüsselt größere Weisheit offenbaren kann. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft, die Träume über einen langen Zeitraum ernst zu nehmen und aufzuschreiben - und sich mit der Botschaft auseinander zu setzen.

Bitten aufschreiben
In der Zeit vorwärts gewandt können Wünsche und Gebete in Schriftform  Wirkung entfalten. Wichtig ist dabei, den Platz zu beobachten, von dem  die Wünsche stammen - sie sollten mit dem Herzen übereinstimmen.

Illustrationen

Mögen 2 Gedichte noch Inspiration zur Heilung geben:

Wie ...?

Atmen. Atmest du?
Lesen. Siehst du?
Hören.
Riechen.
Schmecken.

Nicht denken “ich sehe”, sondern schauen.
Nicht denken “ich fühle”, sondern spüren.
Nicht denken “ich denke”, sondern sein.

Freundlich absichtsloses Verweilen, hellwach...
... im Kontakt mit dem Körper...
... und um den Körper...
...und in dem Körper...
und...

Entschleunigung

Entspannung
in den Moment
einzige Möglichkeit
zur Beschleunigung

Wenn du unendlich bist -
wo müsstest du so schnell hin?

Wenn du ewig bist -
was wäre jetzt wichtiger als der Moment?

Wenn du allgegenwärtig bist -
wie tief würdest du jede Einzelheit erleben wollen?

Wäre nicht jede Form
von Beschleunigung
Illusion?

 

Heilendes Schreiben